Seminare & Workshops

19. März 2025

Workshop: Demenz und Mediation

Fortbildung (kostenfrei) mit Dr. Ilona Dutzi Psychologin & Gerontologin (Dipl.) – online- Anmeldung: info@foerderer-familienmediation.de

Zusammenfassung des Workshops „Demenz und Mediation“

Am 19. März 2025 fand unser spannender Workshop „Demenz und Mediation“ mit der renommierten Psychologin und Gerontologin Dr. Ilona Dutzi in einem interaktiven Online-Format statt. Dr. Dutzi vermittelte eindrucksvoll, warum es für Mediatorinnen und Mediatoren von großer Bedeutung ist, sich mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen und welche wichtigen Implikationen für die Mediation damit verbunden sind.
In einer Gesellschaft, die sich demographisch verändert und in der immer mehr Menschen älter werden, ist das Thema Demenz von zunehmender Bedeutung. Denn mit dem Alter gehen nicht nur biologische Veränderungen einher, sondern auch tiefgreifende psychische Erfahrungen und die Art und Weise, wie soziale Prozesse gestaltet werden. Schwierigkeiten im Alltag, das Verlegen von Gegenständen oder die Wortlosigkeit im Gespräch können erste Warnsignale für eine beginnende Demenz sein. Nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. waren 2023 rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland von Demenz betroffen, Prognosen für das Jahr 2050 gehen von einem Anstieg auf 2,3 Millionen Betroffene aus[1]. Ein Aspekt, den Dr. Dutzi ansprach, ist, dass nur ein geringer Teil der Demenz erblich bedingt ist. Mit einer entsprechenden Lebensweise, gesundem Essen und persönlicher sowie intellektueller Ansprache lässt sich Demenz zu 45 % vermeiden.
Dr. Dutzi erläuterte ebenfalls anschaulich, wie sich Demenz in verschiedenen Stadien äußert und betonte die individuelle Ausprägung der Erkrankung: „Wer einen Menschen mit Demenz kennt, kennt einen Menschen mit Demenz“. Menschen mit fortschreitender Demenz handeln oft weniger rational, sondern reagieren stärker auf ihre unmittelbaren Bedürfnisse und Antriebe. Für Angehörige kann dies eine Herausforderung darstellen, da das Handeln der Betroffenen scheinbar an Sinn verliert. Menschen mit Demenz stehen vor vielfältigen Herausforderungen und haben ein starkes Bedürfnis nach sozialer Einbindung, nach Gebrauchtwerden, nach Geborgenheit in der vertrauten Umgebung sowie nach Verständnis und Akzeptanz ihrer Erkrankung. Gleichzeitig streben sie nach Autonomie und Selbstbestimmung. Für pflegende Angehörige bedeutet diese Begleitung jedoch eine hohe psychische, physische, soziale, finanzielle und zeitliche Belastung.
Was bedeutet dies für die Mediation? Veränderte Beziehungsdynamiken, Bedürfnisse und Abhängigkeitsverhältnisse führen zu neuen Rollen im Familiengefüge. Pflegende Ehepartner verlieren nicht nur eine vertraute Person, sondern auch gemeinsame Lebensperspektiven, während ungelöste Konflikte wieder aufbrechen können. Oft erhalten pflegende Angehörige zudem nicht die Anerkennung, die sie für ihre herausfordernde Aufgabe verdienen. Hier kommen wir als Mediatorinnen ins Spiel: Als Mediatorinnen, die immer ressourcenorientiert arbeiten, sind wir prädestiniert, den Blick auf das zu werfen, was noch gut geht. In der Arbeit mit demenzkranken Menschen sollte dies im Vordergrund stehen. Frau Dr. Dutzi betonte, dass auch bei Demenz die emotionale Ebene erhalten bleibt. Formulierungen wie „Ich mach mir Sorgen“ oder „Ich verstehe deinen Ärger“ sind dabei besonders hilfreich. Doppeln als Methode kann ebenfalls eine sehr hilfreiche Intervention sein. Dr. Dutzi wies darauf hin, dass Komplexität für Menschen mit Demenz besonders schwierig ist. Unsere Kompetenz, von der Metaebene und von der Abstraktion ins Konkrete zu finden, ist auch ein Vorteil der Mediation[2]. Kürzere Sitzungen sind wichtig, da auch die Konzentration bei beginnender Demenz leidet.
Die Mediation schafft einen Raum, in dem die Bedürfnisse aller Beteiligten Gehör finden, die Würde des Erkrankten gestärkt und die Begleitung durch Angehörige anerkannt wird. Durch Mediation können die Beteiligten ihre eigenen Bedürfnisse reflektieren und ein besseres Verständnis für die Wünsche der anderen entwickeln. Gemeinsame Strategien im Umgang mit der Erkrankung können besprochen und Vereinbarungen getroffen werden, die für alle tragbar sind.
Ein herzliches Dankeschön an alle, die diesen Workshop mit ihrem Engagement bereichert haben und ein ganz besonderer Dank geht an Dr. Ilona Dutzi für den aufschlussreichen und kompetenten Workshop.
Mediation kann ein wertvolles Werkzeug sein, um Konfliktparteien im Umfeld von Demenz durch mehr Verständnis, Sensibilität und Ruhe einen Raum zu geben, um Konflikte wieder besprechbar zu machen und somit zu entlasten.
 


[1] Deutsche Alzheimer Gesellschaft.(4. September, 2024). Prognostiziere Entwicklung der Anzahl von Demenzkranken im Vergleich zu den über 65-Jährigen in Deutschland bis 2050 /in Millionen). In Statista. Zugriff amm 01.04.2025 von https://de-1statista-1com-100b48b1y00ec.emedien3.sub.uni-hamburg.de/statistik/daten/studie/245519/umfrage/prognose-der-demenzkranken-in-deutschland/
[2] Aus: Haberstroh, J. & Pantel, J. (2011). Kommunikation bei Demenz. Tandem Trainingsmanual. Springer-Verlag Berlin Heidelberg.